Jaunar 2017: Kalenderkrimi von Agela Eßer

Der Auftrag

Angela Eßer 

Kurz nach neun kam der Anruf. Die Anweisungen waren knapp und präzise. Wie immer. Den Job ablehnen, stand gar nicht zur Debatte. Schließlich war er Profi. Der Beste. Das wusste auch die Chefin. Und seine Frau.

Er atmete tief durch und trank den Single Malt aus. Der fünfte Anruf schon in diesem Monat. Er musste aufpassen, dass er nicht auch einmal selbst zum Opfer wurde.

Bisher einfach nur Glück gehabt? Nein, er hatte den Killer-Instinkt.

Langsam rutschte er vom Barhocker und zahlte.
Das Haus kannte er in- und auswendig. Es wäre für ihn ein Leichtes gewesen, durch die Haustüre zu gehen, aber er entschied sich für den Weg durch den Garten. Wie vermutet, stand die Terrassentür bei dem Wetter sperrangelweit auf. Wie leichtsinnig.

Noch schnell eine kurze SMS, dass er im Haus war. Die Chefin wollte immer auf dem Laufenden gehalten werden.

Im Dunklen ging er durch das Wohnzimmer. Lautlos. Seit er für die Chefin arbeitete, trug er nur noch Schuhe mit Gummisohlen.

Die Chefin. Er arbeitete gerne für sie. Ihr Lächeln und das seiner Frau war sein größter Lohn. Er wusste, dass sie stolz auf ihn waren.

Langsam, jeden Schritt bewusst gesetzt, stieg er Stufe für Stufe in den ersten Stock, holte die Waffe aus der Manteltasche und hielt sie fest in seiner rechten Hand. Leise Musik drang aus dem Zimmer, ein schwacher Lichtschein aus dem Schlüsselloch. Vorsichtig, Millimeter für Millimeter drückte er die Türklinke herunter und betrat den Raum. Keine hektischen Bewegungen jetzt. Aug in Aug dem Opfer gegenüberstehen und dann sofort zuschlagen. Er rasterte alles in Sekundenschnelle ab, sah das Zielobjekt und hob die Waffe.

Das Blut an der Wand ließ sich nicht vermeiden und interessierte ihn auch nicht. Hauptsache seine kleine Chefin lächelte. Und seine Frau.

Beide saßen auf dem Bett und strahlten ihn an.

Er war ihr Held.

„Papa ist der beste Mücken-Killer der ganzen Straße“, sagte seine Tochter.

Stimmt.

Und jetzt konnten sie alle in Ruhe schlafen.

 

+++