Max Bronski

Franz-Maria Sonner

aka Max Bronski

Franz-Maria Sonner wurde 1953 in Tutzing geboren und ist Produzent und Herausgeber von elektronischen Medien und Hörbüchern, er schreibt Hörspiele und Romane. Zuletzt erschien von Sonner 2005 „Das gute Leben“. Seit 2006 ist er unter dem Pseudonym Max Bronski Autor von Kriminalromanen. Bekannt geworden ist die Reihe um den Münchner Antiquitätenhändler Gossec. Der Autor lebt in München.

 


Max Bronski hat sich den neugierigen Fragen von Susanne Döllner zum Leben als Autor, zu seinem ganz persönlichen Schreibprozess und zu den Höhen und Tiefen des Daseins als Krimiautor gestellt:

Interview mit Max Bronski
geführt von Susanne Döllner

Bei den Figuren, die man konkret erst im Schreiben entwickelt, muss man Großzügigkeit walten lassen: Die machen manches anders, als man vorher geplant hatte. Wenn das so ist, lasse ich sie machen und schreibe ihnen einfach hinterher.

 

Was war das desaströseste Interview, das Sie bisher erlebt haben?

Ich lese oder höre nie gerne, was ich gesagt habe. So wie manche Leute ihre Stimme im Nachhinein nicht mehr ertragen. Ich beschäftige mich einfach nicht mehr damit, wenn ich ein Interview gegeben habe. So gesehen habe ich glücklicherweise keine Erinnerung mehr an das, was in der Skala ganz unten steht.

Was bringt Sie zum Schweigen?

Andersherum: Was bringt mich zum Reden! Ich bin – vom Schreiben abgesehen – kein besonders expressiver Mensch, höre lieber zu, beobachte, bleibe in mir. Reden als soziales Geräusch ist fürchterlich. Interesse am Anderen, etwas hören wollen, kurz gesagt: ein Thema bringt mich ins Reden.

Was ist das Schwierigste an Ihrem Beruf?

Die Absichten des Autors stimmen (fast) nie mit den Eindrücken der Leser überein. Diese Differenz ist nicht zufällig, sie ist in der Literatur systematisch. Ich arbeite an einem Stoff, bringe meine Intentionen und meine formalen Möglichkeiten ein, habe dann (sagen wir:) einen Liebesroman geschrieben. Gleich der erste Leser urteilt, dies sei ein missglückter Wenderoman. Man muss begreifen und verarbeiten, dass in unserem Beruf die Einschätzung eines x-beliebigen Lesers genau so viel wiegt wie die eigenen Vorstellungen. Sich hinzustellen und zu sagen, ihr habt mich vollkommen falsch verstanden, wäre albern. Damit klarzukommen, ist eine der schwierigsten Aufgaben für einen Autor.

Wie schreiben Sie? Frei von der Leber weg oder fest nach einem Plan?

Beides. Ich entwickle einen Plan, recherchiere viel für meine Stoffe und habe dann einen tragfähigen Rahmen. Bei den Figuren, die man konkret erst im Schreiben entwickelt, muss man Großzügigkeit walten lassen: Die machen manches anders, als man vorher geplant hatte. Wenn das so ist, lasse ich sie machen und schreibe ihnen einfach hinterher.

Wann und wie entstehen Titel wie „Mad Dog Boogie“ oder „Nackige Engel“?

Die beiden habe ich mir selbst ausgedacht, ich glaube, sie waren relativ früh beim Schreiben schon da. Aber jeder noch so großzügige Verlag will beim Titel mitreden. Wenn man Glück hat, passt der eigene Vorschlag, wenn nicht, gehen oft dutzende Vorschläge hin und her. Der Buchtitel ist, kurz gesagt, Marketing.

Wann würden Sie aufhören zu schreiben?

Die Vorstellung liegt mir fern. Womöglich fällt mir mal nichts mehr ein oder ich bin geistig nicht mehr dazu in der Lage. An so hässliche Dinge möchte ich aber gar nicht denken.

Beschäftigen Sie sich mit der Schriftsteller-Szene in München? Kennen Sie die lokalen Autoren und Verleger?

Klar, man kennt sich. Mit einigen bin ich gut befreundet. Aber in eine Gruppe Zusammengehöriger war ich noch nie integriert. Unerträglich sind allerdings Kollegen, die sich dauernd gegen andere profilieren, nach dem Motto: Er ist zwar ein netter Kerl, aber sein letztes Buch war oberscheiße. Solche Leute meide ich.

Wie sind Sie dazu gekommen, Krimis zu schreiben, was hat Sie daran gereizt?

Zufall? Ich hatte mich an einem Stoff festgeschrieben, kam erstmalig in die Situation, dass ich befürchten musste, ihn nicht zu Ende bringen zu können. Da kam ein Bekannter auf mich zu und fragte, ob ich nicht mal einen Krimi schreiben wollte. Ich dachte, das sei ein bisschen Lockerung, eine Art Sidekick. Aber so kann man sich täuschen.

Warum haben Sie zunächst unter Pseudonym geschrieben? Und warum wurde es, nachdem Sie die Presse und Ihre Leser 10 Jahre lang fleißig haben spekulieren lassen, 2016 nun doch aufgelöst?

Kluge Frauen, meine Verlegerin und meine Lebensgefährtin, haben mir dazu geraten. Der Autor ist (leider!) immer an das gebunden, was er vorher gemacht hat. Jedes neue Buch wird im Licht des vorherigen gelesen. Der Reiz des Pseudonyms ist, solche Zuschreibungen beiseiteschieben zu können, ein Stück weit neu anheben zu können. Leider hat sich das Pseudonym verbraucht. Jeder, der eingeweiht war, hat es mindestens zehn weiteren Personen unter dem Siegel der Verschwiegenheit erzählt. Irgendwann wussten es zu viele.

Auf dem Krimifestival 2018 stellen Sie Ihren neuen Bronski-Roman „Schneekönig“ vor. Was hat Sie bewogen, die Kult-Reihe um den Antiquitätenhändler Gossec von Kunstmann zuerst zu Heyne und jetzt zu Droemer Knaur umzuziehen?

Ich war zwanzig Jahre bei Kunstmann, da wollte ich (bevor es zu spät ist) noch einmal etwas Neues versuchen. Bei Heyne ist die Taschenbuchausgabe meiner Bücher erschienen, das war nie mein Heimatverlag. Und was Gossec angeht, so müssen Sie ihn schon selbst fragen. Der Kerl verfolgt mich geradezu.

Letzten Herbst kam der neue Band der Weihnachtskrimi-Anthologie, „Kerzen, Killer, Krippenspiel“, heraus. Hat es Spaß gemacht, einen regionalen Kurzkrimi zum Thema Weihnachten zu schreiben, und wie sind Sie dazu gekommen?

Ehrlich gesagt mache ich diese Weihnachtsanthologien nicht mehr gern. Man ist zu oft gefragt worden. Aber das war mein Einstandsgeschenk an meinen neuen Verlag

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Lesungen mit Musik zu verbinden? Wie sind Sie dabei auf Landy Landinger gestoßen? Verbindet Sie auch privat etwas?

Ich liebe die Musik, mit der ich aufgewachsen bin, die der sechziger, siebziger Jahre, und wollte das unbedingt zusammenbringen. Landy ist einer der renommierten Gitarristen in der Münchner Szene und mein Freund.

Was reizt Sie besonders daran, neben Krimis auch Hörspiele zu schreiben, und wie unterscheidet sich der Schreibprozess für Sie?

Hörspiel ist jetzt lange her! In den achtziger Jahren habe ich am laufenden Meter Kinderhörspiele geschrieben und mein Geld damit verdient. Der Roman ist formal unbegrenzt, man darf alles. Im Hörspiel dominiert die dialogische Erzählform. Wie groß der Unterscheid ist, merkt man, wenn man die eigene Prosa zu einem Hörspiel verarbeitet. Gute Dialoge schreiben zu können, ist eine hohe Kunst. Ich wünschte, es gelänge mir!

Sie haben u. a. die CD „Was war, was bleibt. Die 68er und ihre Theoretiker“ herausgegeben. Auch in Ihren Büchern beschäftigen Sie sich immer wieder mit gesellschaftskritischen Fragen. Ist Schreiben für Sie auch ein Stück weit Gesellschaftsstudium?

Ich habe einen kleinen Hörverlag für wissenschaftliche Vorträge betrieben und bin auch heute noch Herausgeber von solchen Tondokumenten. Ich gehöre, was meine Studienzeit angeht, zu den theorieaffinen Jahrgängen. Das Interesse daran ist mir nie verloren gegangen. Ansonsten gilt, was Sjöwall/Wahlöö einmal formuliert haben: Verbrechen stehen immer für gesellschaftlich-soziale Probleme. Dessen sollte man sich als Krimischreiber bewusst bleiben.