Oktober – Martin Calsow

Oktober – Martin Calsow

calsowcsarah_koska-01Martin Calsow wuchs am Rande des Teutoburger Waldes auf. Nach seinem Zeitungsvolontariat  arbeitete er bei verschiedenen deutschen TV-Sendern in Köln, Berlin und München. Ein langer Aufenthalt im Nahen Osten führte ihn schließlich zum Schreiben. Er gehört zur Jury des Grimmepreises und Er heute mit seiner Frau Insa am Tegernsee und in den USA.

Im April 2011 erschien sein Debütroman „Der Lilith Code” und im November 2012 der Folgeband “Die Lilith Verheißung”. Im August 2013 kam „Quercher und die Thomasnacht“ auf den Markt, im Juni 2014 „Quercher und der Volkszorn“, im März 2015 „Quercher und der Totwald“ sowie im April 2016 „Quercher und das Seelenrasen“. Im September 2015 erschien mit „Atlas – Alles auf Anfang“ der Auftaktroman einer weiteren Krimireihe.

Das Interview

 

Wie sind Sie eigentlich zum Schreiben gekommen? Schreiben und Lesen war und ist meine Auszeit vom Leben. Ich kann weder malen noch musizieren. Aber ich wollte mich ausdrücken und zuweilen in eine andere Welt verschwinden. Das ist der Auslöser gewesen. Ich kann nichts anderes als Schreiben.

Wie arbeiten Sie? Gibt es von Vornherein ein festes Kontruktruionsschema?Zu Beginn eines Quercher-Buches suche ich einen Konflikt, etwas wie den Kern: Schuld, Scham, Rache, Schande, Wut, Verkettung von Zufällen. Die nächste Phase ist ein bayerisches Thema: Aktuell ist das Wackersdorf und der RAF-Terrorismus. In den vergangene Büchern wurden Populismus, Migration, soziale Ungleichheit im Tal behandelt. Mir ist es wichtig, sauber und tief zu recherchieren, immer einen großen Realitätsbezug zu haben. Die Atlas-Reihe wiederum ist sehr persönlich. Sie spielt in der Heimat, in der ich aufwuchs. Da ist viel Autobiographisches verarbeitet worden, zweifellos ein Akt des Größenwahns. Bücher entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie sind immer Mosaike, bestehend aus meinen eigenen Gedanken und Erfahrungen und dem, was andere geschrieben, komponiert und auf die Kinoleinwand gebracht haben. Nicht umsonst hegen die Protagonisten meiner Romane zuweilen skurrile musikalische Vorlieben. Und natürlich stellen eine Reihe der Charaktere, der Dialogpassagen und Verfolgungsjagden eine tiefe Verbeugung vor den Werken von Schriftstellern und Regisseuren dar, die mich beeindruckt haben.

Was macht einen Krimi zu einem guten Krimi?
Relevanz. Ein Krimi ist immer Abbild gesellschaftlich relevanter Strömungen. Nichts ist mir mehr zuwider als ein Krimi zur Darstellung und Betonung einer vermeintlichen Idylle. Quasi der Mord zum Schweinsbraten.

Für die Beurteilung des Schaffens anderer gilt ein Bewertungssystem, für das meine Muse Lumpi (der Hund aus meinem neuen Roman) liebenswürdigerweise Patin stand. (Übrigens: Für alle, die es noch nicht wissen: Lumpi gibts wirklich. ZUm Beweis haben wir hier für Euch eine Portraitaufnahme von Hundchen und Herrchen)

1 Lumpi = ist grätig. Gleich klatscht es, aber nicht Applaus.
Schreit zum Himmel. Muss gelöscht, wenn nicht gar ausgelöscht werden.

2 Lumpis = verdient nur Kopfschütteln.
Früher hieß das „Hat sich bemüht“. Heute: Geh mir wech damit.

3 Lumpis = guter Versuch, ausbaufähig, aber noch mit Makeln behaftet.

4 Lumpis = Kauf- bzw. Rezeptionsempfehlung. Sollte man haben.
Früher sagte man dazu dufte, jetzt fett.

5 Lumpis = ein Kracher, jetzt kaufen, irgendwie erwerben, hören, sehen, lesen.
Für weniger haben Menschen schon den Körper verschenkt.

Warum Krimi? Ginge es nicht auch ohne Leichen? Warum Krimis? Warum Leichen? Interessant ist, dass die Zahl der Leichen quasi von Buch zu Buch abnahm. Tote sind nicht für mich entscheidend. Mich interessieren menschliche Abläufe, Interaktionen. Ja, es geht auch ohne Leichen.

Sehen Sie sich selber als Autor von Regionalkrimis?
Und wenn ja (oder auch wenn nein) was macht ihrer Meinung nach den Reiz dieser Krimiform aus?
Mir ist die Schublade „Regionalkrimi“ nicht wichtig. Der Verlag will eine Einordnung für den Handel. Aber jeder Krimi hat eine Region, in der die Handlung spielt. Ich vermeide idyllisch-kitschige Verklärungen der Region. Mit den beiden Hauptfiguren kann ich schön die Region widerspiegeln. Der Quercher ist grantlig-laut, der Atlas leise und wortkarg, entsprechen also ihrer Landschaft. Das ist dann regional für mich. Kochrezepte der Region sind für mich wurscht.

Was können Norddeutsche von den Oberbayern lernen und umgekehrt? Ich lebe seit zwölf Jahren hier in Bayern. Der Bayer lässt Menschen eigentlich in Ruhe. Er scheißt nicht so preußisch klug, bleibt eher ruhig und gelassen, wird aber, einmal zum Zorn getrieben, recht ungemütlich. Er besitzt in etwa das Gemüt eines Haflingers. Wenn wir von Bayern sprechen, hat das nichts mit Menschen nördlich der Donau zu tun. Umgekehrt können Bayern von der Staatskritik anderer Regionen lernen, allerdings glaube ich nicht, dass man von Berlin respektive Berlinern etwas lernen könnte. Nach Jahren in Berlin weiß ich, wovon ich rede.

Ihre Jugendbücher?
Preusslers „Räuber Hotzenplotz“ und „Krabat“, C.W. Cerams „Götter, Gräber und Gelehrte“, Schwabs „Sagen des Altertums“ und alles, wirklich alles von Asterix und Obelix. Dann kamen Poe und Kafka hinzu.

Was ist Ihre Lieblingsmusik?
Ich bin ein Kind der späten Achtziger und frühen Neunziger. Somit spielt Elektromusik für mich eine große Rolle (Radiohead, Underworld, Faithless). Allerdings besitze ich auch eine finstere Seite: Ich neige zum Altrock. Pink Floyd und Led Zeppelin sind hier hauptsächlich zu nennen.

Wo schreibt es sich am besten?
Notizen, Skizzen überall. Für das Buch selbst gilt: Stille, Kühle, Schreibtisch. Genauer: Ich sitze in einem Keller und schreibe mit dem Blick hinauf auf die Berge

Sie haben drei Wünsche frei?
Immerwährende Gesundheit, ständiges Lernen, große Liebe.

Soweit fürs Erste die Infos über Martin Calsow