Jessica Kremser

1976 in Traunstein ge­boren wuchs Jessica Kremser am Chiemsee auf. Nach dem Abitur verbrachte sie ein halbes Jahr in Florenz, bevor sie in München und England englische Literaturwissenschaft, Italienisch und Theaterwissenschaften studierte.
Heute lebt sie in München, wo sie als Redakteurin für verschiedene Zeitschriften schreibt.

Mit den Geschichten, die ihre Heldin ‚Frau Maier‘ erlebt, reiht sich Jessica Kremser in eine prominente Tradition ein. Ähnlich wie ihr berühmtes Vorbild Miss Marple, löst Frau Meier die unwahrscheinlichsten Fälle.

Ihr neuster Roman:

Chiemgau-Krimi, Frau Maiers vierter Fall, (Pendragon Verlag, Februar 2018)

 

 

Frau Maier wirbelt Staub auf

In ein paar Tagen hat Frau Maier Geburtstag. Jetzt, da sie endlich Freunde hat, ein Grund zum Feiern. Doch dann findet sie auf einem Parkplatz die Leiche eines angesehenen Bürgers des Dorfes und die Lust aufs Feiern vergeht ihr. Eigentlich wollte Frau Maier sich ja aus Kriminal­fällen heraushalten – wenn da nur nicht ihr untrügliches Gespür wäre. War es der fremde Mann, der sich neuerdings im Dorf aufhält und von dem keiner weiß, wer er ist? Oder liegt das Motiv in der Vergangenheit des Opfers? Als ein zweiter Mord passiert, muss Frau Maier unbedingt weiter ermitteln und gerät in große Gefahr.

Bisher ebenfalls beim Pendragon Verlag erschienen sind:

Frau Maier ist eine besondere Heldin, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass sie wohltuend normal ist. Sie lebt ihr beschiedenes Leben, hat ein paar Freunde, schlägt sich mit den Themen Alter und Alleinsein herum und ist auch noch eine gute Köchin.

Die Geschichten, die am Chiemsee spielen, machen nicht nur Lust auf mehr, sondern auch auf auf diese schöne Region. Wer Lust hat, ist herzlich eingeladen, hinzufahren und auf den Spuren von Frau Maier die Schauplätze anzuschauen und die wunderbare Natur zu genießen.Die Geschichten haben also nicht nur viel mit Kriminalfällen zu tun, sondern auch viel mit dem Thema Heimat und der Frage danach, was man braucht, um sich irgendwo so richtig zuhause zu fühlen.

Bereits im letzten Jahr hat Frau Kremser als Fallexpertin beim Festival des erzählten Falls mitgewirkt. In einem Interview Frauke Schuster gibt in einem Interview mit Mareike Förster einen persönlichen Einblick in ihre Arbeit und ihr Leben als Krimiautorin. Was gibt es für Herausforderungen beim Schreiben? Was braucht ein ‚guter Krimi‘? Oder soll eine Chemikerin Ermittlerin in einem Fall werden? All das und vieles mehr, lesen Sie hier

Ein Buch zu schreiben, das war schon lange ein Traum von mir.

Wie wurden Sie, was Sie sind? Sie sind als Redakteurin tätig. Wie wird man das?

Schon als Kind habe ich mir sehr gerne Geschichten ausgedacht. Ich erinnere mich daran, wie ich in der Grundschule wie eine Wahnsinnige seitenlange Abhandlungen geschrieben habe – auch, wenn eigentlich nur zwei Seiten Erlebniserzählung gefordert waren. Besonders inspiriert hat mich das Thema „Eine alte Schuhschachtel erzählt“, das weiß ich noch genau. Bestimmt acht Seiten habe ich geschrieben.
Nach meinem Studium wollte ich eigentlich promovieren und vorher nur ein Praktikum in einem Zeitschriftenverlag machen. Es hat mich einfach interessiert, wie Zeitschriften gemacht werden. Und aus dem Praktikum wurden erst ein Volontariat und dann ein fester Job.

Welchen Bücher haben Sie in Ihrer Jugend besonders beeinflusst?

In meiner Kindheit und Jugend habe ich wahnsinnig viel gelesen. Ich erinnere mich, dass meine Freundinnen oft genervt waren, weil ich lieber lesen als mit ihnen spielen wollte. Ich habe alle Kinderbuchklassiker gelesen, von Urmel aus dem EisJim Knopf und Der Kleine Vampir über Ronja Räubertochter und Die Kleine Hexe zu Hanni und Nanni und Anne of Green Gables. Sehr stark fasziniert haben mich die fantasievollen Geschichten von Joan Aitken, etwa Der Flüsternde Berg oder Wölfe ums Schloss. Ich war beim Lesen Genießerin, aber auch Perfektionistin: Wenn es eine Reihe war, dann musste ich unbedingt alle Bände lesen, und zwar in der richtigen Reihenfolge. Ich fand es sehr befriedigend, wenn dann alle Bände schön aufgereiht in meinem Regal standen und ich wirklich alle gelesen hatte. Ein Highlight war für mich, dass ich jedes Jahr vor den großen Ferien in einen Buchladen gehen und mir ganz viele Bücher für den Urlaub aussuchen durfte. Ich kann mich noch ganz genau an den Laden erinnern.

Welches Buch hat Sie zuletzt besonders gefesselt?

Ganz ehrlich: Ich lesen momentan gar nicht. Ich finde tagsüber keine Zeit, und wenn ich abends lese, dann schlafe ich sofort ein und muss am nächsten Abend an der gleichen Stelle noch einmal anfangen, weil ich nichts mehr weiß… Das finde ich so frustrierend, und auch dem Buch gegenüber unhöflich, dass ich lieber auf bessere Zeiten warte. Sollte ich demnächst einmal die Gelegenheit bekommen, alleine eine Woche in den Urlaub zu fahren, dann gehe ich vorher in einen Buchladen und suche mir ganz viele Bücher aus! Ganz bestimmt!

Wie sind Sie drauf gekommen, selber Bücher zu schreiben? 

Ein Buch zu schreiben, das war schon lange ein Traum von mir. Im Zusammenhang mit meiner Arbeit hatte ich dann die Gelegenheit, einen Ratgeber zu schreiben. Das war interessant, aber dem Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten an der Uni nicht unähnlich. Man muss sehr geordnet und diszipliniert vorgehen. Einen Roman zu schreiben bedeutete für mich mehr Spaß und Freiheit.

Und warum gerade Krimis? Sie könnten sich ja auch Liebesgeschichten widmen…

Ich lese selbst gerne Krimis, aber eher die gemütliche Variante. Und ich wollte eine Geschichte schreiben, die ich selbst gerne lesen würde.

In den Frau Meier Krimis geht es neben der Krimihandlung um Themen wie Heimat und Altern – was interessiert Sie an diesen Themen besonders?

Ich finde, dass das beides universelle Themen sind, die jeden betreffen. Heimat, das ist etwas, was jeder Mensch hat – oder gerne hätte. Die Bedeutung der Heimat erkennt man ja oft erst, wenn sie fehlt. Ich finde das Schicksal von Menschen ohne Heimat sehr berührend. Meine Oma musste aus Schlesien flüchten, und ich werde nie vergessen, mit wie viel Wehmut und tiefer Sehnsucht sie von ihrer Heimat gesprochen hat. In „Frau Maier“ spielt das Thema „Heimat“ eine wichtige Rolle. Zum einen über den Schauplatz, der meine eigene Heimat abbildet. Zum anderen über die Tatsache, dass Frau Maier als Außenseiterin nie ein richtiges Heimatgefühl entwickeln konnte. Und Altern – auch damit muss sich jeder Mensch auseinandersetzen. Da gibt es sehr unterschiedliche Arten, damit umzugehen, und auch gesellschaftlich unterliegt das Thema Strömungen und natürlich kulturellen Einflüssen. Ältere Menschen als Respektspersonen oder lästige Anhängsel? Altern mit guter Laune oder Streben nach ewiger Jugend mit Botox & Co? Das finde ich sehr spannend. Frau Maier, meine Protagonistin, ist eine ältere Frau, die sich auch mit der Frage auseinandersetzen muss, ob sie ihr Leben so gelebt hat, wie sie es leben wollte. Und damit, ob man auch im fortgeschrittenen Alter noch einmal neu anfangen kann.

Was machen Sie, wenn Sie mal gerade nicht schreiben oder sich für die Krimilandschaft engagieren?

Eigentlich muss man diese Frage fast umgekehrt stellen im Moment: Wann schreiben Sie eigentlich mal?  (Was ich dazwischen mache, weiß ich leider: Hauptsächlich von A nach B fahren – Krippe, Kindergarten, Arbeit und dann wieder umgekehrt, Wäsche waschen, Brotkrumen unter dem Tisch aufsaugen). Seit mein zweiter Sohn geboren wurde, ist die Zeit dafür leider extrem knapp geworden. Vor allem ist er leider ein schlechter Schläfer, so dass ich mich oft gar nicht wach genug fühle, einen vernünftigen Satz zu schreiben. Ansonsten esse ich wahnsinnig  gerne (eine Gemeinsamkeit mit Frau Maier!),  wobei ich das Kochen lieber meinem Mann überlasse. Ein Lieblingsgemälde habe ich nicht wirklich, aber in meinem Schlafzimmer hängt seit vielen Jahren die Ophelia von John Millais. Das Bild schaue ich mir immer noch gerne an. Es vereint zwei meiner Leidenschaften: Meine Liebe zu England und zu Shakespeare. Und wenn ich viel Geld hätte, würde ich mir ein Chiemsee-Bild von Julius Exter kaufen.


Übrigens hat uns Jessica Kremser noch verraten, dass auch sie das Lieblingsgericht von Frau Maier, nämlich ihre berühmte Lachslasagne, mit Leidenschaft selber gern isst.